Aktuelles : Aufwendungen im Rahmen eines Zweitstudiums/einer Zweitausbildung
2012/9/10 16:15:07 (3272 reads)

Aufwendungen im Rahmen eines Zweitstudiums/einer Zweitausbildung

Nach aktueller Rechtsprechung können sämtliche Aufwendungen im Rahmen einer Zweitausbildung in voller Höhe als vorweggenommene Werbungskosten berücksichtigt werden. Selbst dann wenn noch keine Einnahmen erzielt werden. So können beispielsweise Fahrtkosten zur Ausbildungsstätte, ersatzweise Entfernungspauschalen, typische Arbeitsmittel und Verpflegungsmehraufwendungen als (pauschale) Werbungskosten oder Betriebsausgaben steuerlich geltend gemacht werden.



Der BFH hält mit dieser Entscheidung nicht mehr an der bisherigen Rechtsprechung, die Grundlage der Regelung des BMF-Schreibens vom 22.09.2010 zur Neuregelung der einkommensteuerlichen Behandlung von Berufsausbildungskosten war, fest. Danach wurde die Ausbildungsstätte als regelmäßige Arbeitsstätte angesehen und Aufwendungen nur mit pauschalen Beträgen als Werbungskosten oder Sonderausgaben berücksichtigt. 

Beispiel: Nach Abschluss des Bachelorstudiums beginnt T. ein Masterstudium, nebenher arbeitet er für eine Marketinggesellschaft. An drei Tagen die Woche fährt T. mit der Bahn zur Universität. Um die lange Fahrzeit sinnvoll nutzen zu können erwirbt T. ein zusätzliches  Macbook, dass er ausschließlich  für Designarbeiten i.R. seines Studiums nutzt und verschiedene Lehrbücher.

T kann die Kosten für das Bahnticket, das Macbook (in Form von jährlicher Absetzung für Abnutzung), sowie die Lehrbücher als vorweggenommene Werbungkosten geltend machen.
 
Abwandlung: Nach einigen Wochen verschieben sich die Lehrveranstaltungen so ungünstig für T., dass es sinnvoller ist, am Studienort eine Nacht in einer Jugendherberge zu verbleiben.
 
T kann auch die Kosten der Jugendherberge als Werbungskosten steuerlich geltend machen. Für die Verpflegungsmehraufwendungen gelten pauschale Beträge, diese sind auf eine Dauer von drei Monaten befristet. Die Frist beginnt neu zu laufen, wenn der ursprüngliche Grund erlischt und andere Umstände Auslöser der Aufwendungen sind.
 

Einem Zweitstudium oder einer Zweitausbildung geht eine Berufsausbildung, Erststudium (Bachelorstudium, Fernstudium), Abschluss an einer Berufsakademie oder ein ausländisches Studium voraus.

Als Zweitausbildung gelten auch Umschulungsmaßnahmen, Ergänzungs- und Aufbaustudium, Masterstudium, Promotionsstudium, Fort- und Weiterbildungen, soweit diese in hinreichend konkretem und objektiv feststellbarem Zusammenhang zur späteren Erwerbstätigkeit stehen.

Aus der Begründung eines BFH Urteils ist der steuerrechtliche Begriff der Berufsausbildung (steuer-) gesetzlich nicht weiter definiert. Es knüpft nach ständiger Rechtsprechung auch nicht an die Berufsausbildung nach dem Berufsausbildungsgesetz an. Maßgeblich sei vielmehr, ob die Ausbildung den Steuerpflichtigen befähige, aus der angestrebten Tätigkeit Einkünfte zu erzielen.

 

Beispiele für eine Zweitausbildung nach einer Erstausbildung:

Pilotinnenausbildung nach Tätigkeit als Stewardess, Verkehrsflugzeugführerausbildung nach dem Rettungssanitäter während des Zivildienstes, Studium nach allg. Berufsausbildung, Masterstudium nach dem Bachelorstudium. 


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