FG-Urteil: Aufwendungen eines Masterstudiums als vorweggenommene Werbungskosten unter Berücksichtigung eines Stipendiums

  • Beitrags-Kategorie:Steuerberatung

Das Finanzgericht München hat entschieden, dass vorweggenommene Aufwendungen für ein Zweitstudium um erhaltene Zuwendungen im Rahmen eines Stipendiums zu kürzen sind. Dem Steuerpflichtigen entstehen aufgrund dieser Bezüge lediglich steuerlich abziehbare Aufwendungen, wenn und soweit sie den Betrag der Zuwendungen aus dem Stipendium übersteigen.

Allgemein sind Kosten, welche Studierenden im Rahmen ihres Studiums entstehen, nur dann als Werbungskosten zu berücksichtigen, wenn es sich hierbei um ein Zweitstudium oder um ein Erststudium im Rahmen eines Dienstverhältnisses handelt.

In seinem Urteil entschied das FG München über den Abzug von Werbungskosten eines Zweitstudiums unter Bezug eines Stipendiums. Die Kriterien zur Berücksichtigung der Aufwendungen als vorweggenommene Werbungskosten wurden mit der Aufnahme eines Masterstudiums durch die steuerpflichtige Person erfüllt. Zusätzlich bezog sie ein Stipendium, wodurch ihr monatliche Geldzahlungen zuflossen und die Studiengebühren durch den Stipendienträger übernommen wurden. In ihren Einkommensteuererklärungen für die entsprechenden Jahre berücksichtigte die Steuerpflichtige die ihr angefallenen Fortbildungskosten im Rahmen dieses Studiums in voller Höhe als vorweggenommene Werbungskosten bei den Einkünften aus nichtselbstständiger Arbeit. Das Finanzamt kürzte die geltend gemachten Werbungskosten um die durch den Stipendiengeber getragenen Kosten. Die Steuerpflichtige sei durch den Bezug der Zuwendungen des Stipendiums nicht in ihrer Leistungsfähigkeit beeinträchtigt. Dagegen legte sie Einspruch ein und anschließend Klage vor dem FG München.

Das FG München wies die Klage als unbegründet ab und gab dem Finanzamt somit Recht. Zwar sind die Kosten grundsätzlich als vorweggenommene Werbungskosten bei den Einkünften aus nichtselbstständiger Arbeit zu berücksichtigen, allerdings nur dann, wenn der Steuerpflichtige die Aufwendungen selbst getragen hat. Demnach hat das Finanzamt die Zahlungsleistungen des Stipendiengebers an die Steuerpflichtige zu Recht aus den geltend gemachten Werbungskosten in der Einkommensteuererklärung gekürzt.

Die steuerliche Berücksichtigung von Kosten im Rahmen eines Studiums ist wiederkehrend Gegenstand der finanzgerichtlichen Rechtsprechung aufgrund der Vielzahl der möglichen Kostenarten und Fallkonstellationen. Falls Sie diesbezüglich Fragen haben, stehen wir Ihnen gerne mit einer steuerlichen Beratung zur Seite.


Quelle: FG München Urt. v. 16.6.2020 – 5 K 1936/19